Absolute Sicherheit gibt's nicht - aber ...

Computerexperten zu Windows XP, Fritz Box, WLan, Virenschutz und Co.

von Heidi Meier


Ohne Sicherheitsvorkehrungen geht gar nichts mehr in der Computerwelt. Das ist seit den jüngsten Skandalen um Ausspähaktionen, Sicherheitslücken und Datenklau auch dem letzten User klar. Doch was muss, was kann Otto-Normal-Surfer tun, um sich zu schützen? Darum ging es bei unserer Telefonaktion am vergangenen Freitag. Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

- Ich habe das Betriebssystem Windows XP auf meinem Rechner. Muss ich mir jetzt auf jeden Fall ein neu es anschaffen?

Ab dem 8. April stellt Microsoft keinen Sicherheitsservice mehr dafür zur Verfügung. Das bedeutet: je länger Sie über diesen Tag hinaus mit Windows XP ins Internet gehen, desto größer wird die Gefahr von Angriffen auf Ihren Computer, da neue Sicherheitslücken nicht mehr geschlossen werden können. Wenn Sie nicht ins Internet gehen, können Sie zwar damit weiterarbeiten, den Rechner aber trotzdem über externe Speichermedien wie USB-Sticks oder CDs infizieren.

- Welche Möglichkeiten habe ich, Windows XP gegen ein neues Betriebssystem auszutauschen?
Sie sollten ein möglichst neues Betriebssystem, nämlich Windows 7 oder Windows 8 (nicht Vista), installieren. Das kostet etwa 70 bis 80 Euro und sollte nur bei seriösen Anbietern erworben werden. Allerdings sollten Sie vorher prüfen (z.B. über die Internetseite von Microsoft), ob Ihr Computer die technischen Voraussetzungen erfüllt.
Eine kostenlose Alternative ist das Betriebssystem Linux-Ubuntu. Es stellt geringere Anforderungen an den PC, und die Standardsoftware wird in der Regel kostenlos mitgeliefert. Microsoft-Programme laufen darunter nicht. Es kommt darauf an, wie Sie den Computer nutzen. Um im Internet zu surfen, E-Mails zu schreiben, Texte und Fotos zu ver- und bearbeiten, ist Linux bestens geeignet. Für Spiele ist es hingegen untauglich und es braucht eine gewisse Einarbeitungsphase, wie alle neuen Betriebssysteme.
Wenn ein PC ein gewisses Alter hat, macht es übrigens auch Sinn, an dieser Stelle über die Anschaffung eines neuen nachzudenken.

- Und wie muss ich vorgehen, wenn ich das Betriebssystem wechsel?
Vor allem brauchen Sie Zeit dafür. Zunächst müssen Sie alle Dateien durch Übertragen auf ein externes Medium sichern. Das kann eine externe Festplatte sein oder auch ein USB-Stick. Das geht übrigens nur mit Daten, nicht mit Software. Danach legen Sie die CD für das neue Betriebssystem ein und lassen sich durch das Menü führen. Wenn die Installation des Betriebssystems abgeschlossen ist, installieren Sie die Software neu. Anschließend können Sie die Daten wieder zurückübertragen.

- Ich will meinen Computer ausrangieren oder auch an jemanden weitergeben, der ihn noch benutzen kann. Reicht es, die Dateien einfach zu löschen?
Nein. Wenn Sie die nur über den Papierkorb entfernen, sind sie trotzdem noch rekonstruierbar. Ähnlich ist es bei vielen Formatierungssystemen. Eine endgültige Löschung von Daten erreichen Sie nur über die Zerstörung der Festplatte (es reicht, sie zu verbiegen) oder spezielle Software, die es im Internet auch kostenlos gibt, z.B. auf den Seiten diverser Computerzeitschriften. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt diese Programme: Darik's Boot and Nuke (DBAN) oder Parted.Magic.

- Kann es sein, dass meine Bank mich per E-Mail auffordert, eine Internetseite aufzurufen und dort alle meine Kontaktdaten zu erneuern?
Nein. Keine Bank tut so etwas per E-Mail mit einem Link zum Anklicken. Es handelt sich um eine sogenannte Phishing-Mail mit der Kriminelle versuchen, persönliche Daten von Ihnen zu bekommen, um damit in Ihrem Namen zu agieren. Diese Versuche gibt es in fast allen Bereichen, in denen man an das Geld anderer Leute kommen kann - beim Online-Banking ebenso wie beim Online-Shopping über E-Bay oder Amazon.
Unseriöse Mails erkennt man an der unpersönlichen Anrede (z.B. "Sehr geehrter Kunde11) , der Drohkulisse, die aufgebaut wird, z.B. in dem etwas besonders dringlich gemacht wird, oder auch an unkorrekter Schreibweise mit falschen Umlauten oder kyrillischen Zeichen.

- Ich habe eine Fritz Box, bei denen ja auch vor Sicherheitslücken gewarnt wurde. Was muss ich tun?
Es ist extrem wichtig zu prüfen, ob in Ihrer Fritz Box die aktuellste Firmware - das ist das Betriebssystem des Routers - installiert ist. Auf der Internetseite der Herstellerfirma AVM gibt es eine Liste der betroffenen Geräte und eine Anleitung zum Update. Besonders bei Leuten, die auch übers Internet telefonieren, ist das Sicherheitsrisiko hoch, da Daten ausgenutzt werden können, um teure Nummern anzurufen. Daher sollten Sie auch Ihr Passwort ändern. Helfen kann Ihnen auch der Internetanbieter, der die Fritz Box geliefert hat.

- Wie sichere ich meinen WLan-Anschluss?
Wichtig ist die Verschlüsselung. Wenn Sie über den Browser Ihren Router aufrufen, sollten Sie unter Verschlüsselung den Namen des Netzwerkes und ein Passwort eingeben. Die Verschlüsselung sollte den WPA2-Standard haben, was bei den neueren Geräten aber der Fall ist. Das vom Hersteller vorgegebene Passwort sollten Sie ändern, das neue sollte mindestens 20 Zeichen haben und den Kriterien unten in der Grafik genügen. Führen Sie diese Schritte nur aus, wenn Sie über ein Kabel mit dem Router verbunden sind - nicht per WLan.


Diese Kriterien sollte ein sicheres Passwort erfüllen. - GRAFIK: DPA


- Brauche ich einen Virenschutz für mein Smartphone?

Für Apple-Geräte gibt es gar keins, für Androidsysteme hingegen bieten inzwischen viele Hersteller Virenscanner an. Wenn Sie so etwas haben wollen, sollten Sie sich vorher gezielt, z.B. auf den Internetseiten von Computerzeitschriften, informieren. Unbedingt nötig ist das aber nicht. Viel wichtiger hingegen ist es, Vorsicht bei der Installation Apps walten zu lassen und genau nachzulesen, was sie machen und worauf sie zugreifen. So gibt es kostenlose Spiele, die ganz nebenbei auch Ihre Kontakte ausspähen, Taschenlampen- und Notizblock-Apps, die auf das Netzwerk und die Kontakte zugreifen. Apps sollten Sie auch nur über vertrauenswürdige Wege wie den Apple-Store oder Google-Playstore herunterladen. Woanders sind nämlich auch ansonsten unverfängliche Apps oft manipuliert und haben Anhänge, die Sie ausspähen.

- Wie kann ich meine E-Mails verschlüsseln?

Man muss unterscheiden zwischen der Verschlüsselung des Mail-Verkehrs und der einer E-Mail. - Bei den allermeisten Providern ist inzwischen der Transfer der Mail zum Server verschlüsselt. Auf dem Server liegen die Mails dann aber wieder im Klartext, sodass sie, wenn jemand den Server ausspäht, gelesen werden können. Darüber hinaus gibt es eine kostenfreie Software namens "Pretty Good Privacy' (PGP) von verschiedenen Anbietern, mit der Sie E-Mails verschlüsseln können. Aber: Auch der Empfänger muss sie haben, und auch er braucht den Schlüssel um sie zu entschlüsseln. Sie können damit also nur ganz bestimmte E-Mail-Kommunikationswege vor Mitlesen schützen, nicht Ihren gesamten Mail-Verkehr. Es ist eine Teillösung – absolute Sicherheit im Mailverkehr gibt es nicht.


In Kürze
Ihr Expertenrat war bei unserer Telefonaktion gefragt - per E-Mail und per Telefon: Thomas Ververs, IT-Sicherheitsexperte der Marler Firma Dr. Bülow & Masiak ... Reint Jan Vos und ... Harald Rahlke von der Verbraucherberatung in Marl.


- FOTOS: JANFELD



Unser Tipp: Daten sichern
(-hm) Die Sicherheit eines Computers hat nicht nur mit Software zu tun und wird nicht nur von außen bedroht - sie beginnt bei der eigenhändigen Sicherung der Daten.
"Alles, was Ihnen wichtig ist, sollten Sie regelmäßig auf einer externen Festplatte speichern", rieten die Experten bei unserer Telefonaktion. Dazu könne man auch sogenannte Backup-Programme nutzen, die das in regelmäßigen Abständen erledigen. Häufig sind sie schon vorinstalliert. Es müsse ja nicht immer der Angriff von außen sein - ein PC könne auch schlicht kaputt gehen.


Stichwort: Virenschutz
(-hm) Internetsicherheits-Software schützt vor Angriffen von Cyberkriminellen und sperrt Schadsoftware aus. Guten Grundschutz gibt es sogar kostenlos. Die kostenpflichtigen Pakete bieten zusätzlich nützliche Extras wie Spamfilter, Phishing-Schutz oder Kindersicherungen.
Das hat ein aktueller Test der Stiftung Warentest ergeben, auf den auch die Experten unserer Telefonaktion zum Thema Computersicherheit immer wieder verwiesen.
Der Test zeigt: 7 von 17 Schutzprogrammen sind gut. Die Experten der Stiftung Warentest erläutern, wie die verschiedenen Software-Lösungen funktionieren und was sie leisten. Eine Grafik erklärt, wie Nutzer vorgehen müssen, wenn ihre Software Alarm schlägt.
Der Expertenrat bei unserer Telefonaktion: Entscheiden Sie sich für eine Version - je nach Bedarf eine kostenlose oder kostenpflichtige - und wechseln Sie nicht ständig. Vorsicht auch bei kostenlosen Testversionen aus dem Internet. Die muss man nämlich im Auge behalten, da sie irgendwann kostenpflichtig werden.


Marler Zeitung, Mittwoch 02.04.2014