Eine Frau, die Streber mag

HÜLS. (HPM) Es gibt Unternehmer, die erst einen Porsche kaufen, bevor sie eine Firma gründen, sagt Dr. Gudrun Bülow. Zu dieser Sorte gehöre sie nicht. Ihr Computer-Unternehmen hat sie mit ihrem Mann Gerd und Geschäftspartner Michael Masiak in einer Souterrain-Wohnung in Drewer aufgebaut.



Am Anfang war die Improvisation: Die grüne Couch, auf der die Kundenvor zwölf Jahren Platz nahmen, spendeten die Eltern. Und auf PR-Kampagnen verzichtete das Trio. Gerd Bülow und Michael Masiak waren als Informatiker einer Siemens-Tochter weltweit im Geschäft, ihre Berufserfahrung war die beste Werbung.

Doch die beiden Computer-Spezialisten brauchten einen Partner, der sich um Bilanzen und Handelsrecht kümmert. Eine Aufgabe, die Gudrun Bülow reizte. 20 Jahre lang hatte sie als promovierte Pädagogin den Studenten der Uni Münster Grundwissen über Erziehung vermittelt. Nun waren ihre Töchter und ihr Sohn erwachsen, ein neuer Vollzeit-Job lockte.

Zeit für eine neue Berufsausbildung hatte Gudrun Bülow nicht. Einige Crash-Kurse bei der IHK und einem Steuerberater mussten reichen. Rasch expandierte das Unternehmen, heute hat es ein eigenes Firmengebäude an der Victoriastraße, 20 Mitarbeiter und namhafte Kunden: Dr. Bülow & Masiak vernetzte die Pumpstationen der Emschergenossenschaft, baute das virtuelle Netz für Radio NRW und gestaltete den Web-Auftritt der Internationalen Automobilausstellung. Das Unternehmen bietet seinen Geschäftspartnern Betriebssysteme, aber auch Lösungen für Software und Datensicherheit.

Nicht nur ihre eigene Firma, auch den Standort Marl will Gudrun Bülow stärken. Seit zwei Jahren ist sie Vorsitzende des Wirtschaftsclubs, bringt Marls Unternehmer an einen Tisch. Jedes Jahr zeichnet der Club gemeinsam mit der insel "Marls Beste" aus - junge Schüler, die durch besonders gute Leistungen und soziales Engagement auffallen. Die Einstellung zu guten Leistungen müsse sich ändern, meint Gudrun Bülow: "Streber sind cool, Mittelmaß bringt die Wirtschaft nicht weiter."

Wichtig sind der Pädagogin auch christliche Werte. Die hat sie ihren Kindern vorgelebt ("Was man nicht selbst lebt, kann man nicht vermitteln"), die sollten auch Richtschnur für Wirtschaft und Gesellschaft sein: "Zehn Gebote - mehr brauchen wir nicht. In den zehn Geboten steht alles drin."

18.07.2007 | Quelle: Medienhaus Bauer