Einfach ein Gefühl von Sicherheit...

.. das ist das Wichtigste, was die Dr. Bülow & Masiak GmbH zu verkaufen hat / Ein Stück Internet in Hüls

Von Robert Klose

HÜLS. Keine Frage: Sie kennen das Haus. Marler zu sein und dieses Haus nicht schon mal gesehen zu haben, das ist unmöglich. Es steht an der Victoriastraße – dort, wo jeder irgendwann einmal vorbeikommt, direkt am Abzweig zum Yehudi-Menuhin-Forum. Der Eckbau wirkt elegant, aber unauffällig. Was tun die 21 Mitarbeiter eigentlich hinter der schmucken Fassade?

 Diese Frage zu beantworten, ist nicht so einfach. Dr. Gudrun (55) und Gerhard Bülow (57) versuchen es trotzdem, passen gut aufeinander auf, um nicht ins Informatiker-Fachchinesisch abzurutschen. Die Versuchung ist groß, über VPN (virtuelle private Netzwerke) zu plaudern, in Terrabyte zu schwelgen und mit Abkürzungen um sich zu werfen.

So unspektakulär sieht ein Internet-Knoten aus: Dr. Gudrun und Gerhard Bülow
am wichtigsten Stück Technik in ihrem Hülser  Unternehmen.

 Für den Nicht-Informatiker reicht es, zu wissen, dass dieser Betrieb in Marl und im Umkreis der einzige ist, der nicht einen Zugang zum Internet bietet, sondern selbst ein Teil des weltumspannenden Computer-Netzes darstellt. Die Dr. Bülow & Masiak GmbH ist ein Knoten - einer von Millionen Orten auf der Welt, wo Datenleitungen zusammenlaufen und miteinander verknüpft werden. Die Gesamtheit dieser Knoten nennt man... eben Internet.

 Das Unternehmen mitten in Hüls hat mit Computern, Daten und Daten-Verkehr zu tun. Das versteht jeder Laie. Dass er mehr nicht verstehen muss und sich darauf verlassen kann, dass einfach alles funktioniert – eben das ist die wichtigste Leistung, die das Unternehmen verkauft. Die Kunden sind fast durchweg Unternehmen.

Gucken, aber nicht anfassen: Hochsensible Technik bildet das Rückgrat des großen Daten-Transports.

 Ob Evonik, Großbank, Konzern oder Handwerker-Betrieb an der Ecke – alle haben ähnliche Bedürfnisse: Siw wollen ihre Daten verwalten. Jeder Mitarbeiter soll seinen Teil zum großen Byte-Kuchen beisteuern. Zugangsrechte und –beschränkungen sind einzurichten. Wichtige Zahlen, Namen etc. müssen geschützt werden. Im Internet nach Informationen suchen will heute jeder Betrieb – ohne ausgespäht oder mit Viren traktiert zu werden.

 Das alles in die Praxis umzusetzen und den Kunden das Gefühl von Sicherheit zu geben, ist keine einfache Aufgabe. Welche Anforderungen das Metier rund um Bits und Bytes stellt, kann selbst Dr. Gudrun Bülow oft nur ahnen: In Philosophie hat die gebürtige Marlerin promoviert, Psychologie hat sie studiert und Pädagogik. 20 Jahre hat sie an der Uni Münster gearbeitet, dann für die Fernuniversität Hagen. Informatik taucht in ihrem Lebenslauf nicht auf, dafür ist der Gemahl zuständig. Die Ehefrau kümmert sich ums Geld, um die Buchhaltung, kurzum: um den kaufmännischen Teil des Unternehmens.

 Trotzdem wissen beide auch bei technischen Fragen wovon sie Reden. Schließlich sind sie seit 1995 mit ihrem Partner Michael Masiak selbstständig. Alles begann in einem 90-Quradatmeter-Keller in Drewer und führte 1999 in den eigenen Neubau an der Victoriastraße. Hier konnte das Unternehmen expandieren, später kamen Niederlassung in Essen und Dortmund dazu.

 Auch sie haben mit Sicherheit zu tun. Wenn Gerhard Bülow den Kunden verspricht, dass die aufgebauten Netzwerke mit einer Sicherheit von 99,8 Prozent funktionieren, wenn er erwähnt, dass sonst nur das Militär über solche Standards verfügt... dann lässt er den Besucher ein wenig in das Innenleben seiner IT-Welt gucken. Alle Daten sind „gespiegelt“, zur Sicherheit an mehreren Standorten hinterlegt und in Millisekunden selbst bei größten Katastrophen abrufbar. Die GmbH hat sogar für den Fall vorgesorgt, dass ein Meteorit vom Himmel und genau auf ihr Dach fällt.


Geschichten von der Straße
Teil 5: Auffahrt zur Datenautobahn

 „Wir sind ein 24/7-Betrieb“, sinniert Dr. Gudrun Bülow. Die rund 220 Kunden können sich darauf verlassen, dass an 7 Tagen in der Woche 24 Stunden lang jemand eingreift, wenn etwas schief läuft. Dass etwas schief läuft, bemerken die Kunden oft gar nicht: Schlägt irgendwo der Blitz ein, geht irgendein Teil kaputt, werden – oft per Fernwartung – Datenströme umgeleitet, bevor der Benutzer eines Netzwerks einen Defekt erkennt. Es gibt ständige Rufbereitschaft – auch am Wochenende, auch nachts, auch an Feiertagen. Ehrensache für den Chef: Er nimmt selbst daran teil, geht an einem Abend mit Bereitschaft nicht in die Oper und nicht in die Sauna, ohne sich vorher um eine Vertretung zu kümmern.

 Für die Freunde großer Zahlen: An einem durchschnittlichen Tag transportiert die Dr. Bülow & Masiak GmbH 8 Terrabyte durch ihre Leitungen. Das entspricht etwa der Datenmenge von 93 000 hoch aufgelösten Fotos.

 Manchmal erinnert sich die Firmengründerin und schmunzelt: 1996 – noch in der Kellerphase – stellte sie sich bei einem Marler Hochtechnologie-Unternehmen vor, bot Internet-Dienstleistungen an – und bekam zu hören: „ Gehen Sie mir doch weg mit Ihrem Uni-Kram“. Der das sagte, möchte heute nicht mehr namentlich zitiert werden...
Marler Zeitung, 05.08.2009