Erste Gehversuche im Internet überraschten manche Besucher

Insel lud zum Multimedia-Tag ein: Internet-Surfen für jedermann / Arbeitsplätze

MARL. (tb) Auf der Datenautobahn in der Zukunft: VHS als Fahrschule und Tankstelle für Multimedia. Hinter diesem metaphorischen Vergleich versteckte sich das Motto der insel-Veranstaltung am Samstag. Neun Stunden lang konnten die zahlreichen Besucher im Internet surfen und in der Multimedia-Probierstube erste Gehversuche auf dem Feld der digitalen Datenübertragung wagen.

Das Internet-Center Marl hatte zuvor eine Homepage mit Infos zum Programmablauf und Eckdaten der insel-Geschichte in das System eingespeist. Die Marler Bülow & Masiak GmbH installierte im insel-Foyer ein Netzwerk mit fünf Stationen, die alle durch einen ISDN-Anschluß mit dem Internet-Center verbunden waren. Einige Besucher staunten nicht schlecht, als sie erfuhren, daß die Daten direkt per Standleitung nach Duisburg und von dort in die ganze Welt übertragen wurden. Um die Abläufe dieser Vorgänge zu veranschaulichen und das Verständnis seitens des Publikums zu erleichtern wurden die Computergraphiken auf zwei große LCD-Leinwände projeziert. Sechs Mitarbeiter der GmbH standen jederzeit Rede und Antwort. Begünstigt durch das schlechte Wetter und die ideale Lage des Veranstaltungsorts, zwischen Parkhaus und Einkaufsstraße, erfreuten sich die Computer-Terminals großer Beliebtheit. So mancher Passant ließ seine Einkaufstüten stehen, um sich per Internet die neuesten Backrezepte für Stutenkerle oder den Wetterbericht für die Kanarischen Inseln zu holen. Fortgeschrittene Vertreter der multimedialen Generation verbrachten bis zu zwei Stunden damit, schier unüberwindliche Hürden der neuen Abenteuerspiele zu überwinden.

Daß in der Tat noch so viel Aufklärungsarbeit im Bereich der multimedialen Elektronik nötig ist, bestätigte auch Dr. Gudrun Bülow: "Vor allem die mittelständischen Unternehmen wissen oft nicht genug über die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten." Vor allem Privatleute können oft nichts mit dem Schlagwort Multimedia anfangen. Die Deutsche Telekom informierte daher über T-Online, ISDN und neue Möglichkeiten am analogen Telefon, während die Fernuniversität Hagen die didaktischen Möglichkeiten der CD-ROM präsentierte.

Beim anschließenden Diskussionsforum wurden diese Möglichkeiten dann von Heinz Theodor Jüchter (Vorsitzender des Deutschen Volkshochschulverbandes), Heinz Brenner von der Telekom AG Essen, und Prof. Dr. Firoz Kaderal (Fernuni Hagen) diskutiert. Dr. Gernot Gehrke und Stephan Hörsken vom Europäischen Zentrum für Medienkompetenz komplettierten die Expertenrunde. Bürgermeister und Moderator Dr. Ortlieb Fliedner wies auf die vielfältigen Möglichkeiten hin, im Bereich der Kommunikationstechnologie Arbeitsplätze zu schaffen. Heinz Theodor Jüchter bestätigte, daß ein großes Interesse an VHS-Kursen mit neuen Medien besteht und forderte Engagement der Volkshochschulen auf diesem Gebiet. Er wies aber auch auf Probleme wie die Entstehung sozialer Ungleichheit durch unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten oder die Gefahr von unüberschaubaren Info-Müll hin.

Quelle: Marler Zeitung