Frauenpower in der Männerdomäne

Dr. Bülow & Masiak GmbH aus Marl ist für den Vestischen Unternehmenspreis nominiert
VON THORSTEN FECHTNER

MARL. MARL. Immer noch gilt die Informatik als Männerdomäne schlechthin: Aber Dr. Gudrun Bülow ist der beste Beweis dafür, wie wichtig Frauen in der Wirtschaft allgemein und Frauen in IT-Unternehmen im Besonderen sind. Sie ist eine von drei Geschäftsführern der Dr. Bülow & Masiak GmbH. Und wegen ihres Engagements ist das Marler Internet-Unternehmen in die engere Wahl für den Vestischen Unternehmenspreis gekommen - als eine von sieben nominierten Firmen der Region.




Freuen sich über die Nominierung zum Vestischen Unternehmenspreis (v.l.): Gerhard Bülow, Bürgermeister Werner Arndt, Michael Masiak, Dr. Gudrun Bülow sowie Prof. Bernhard Müller-Jundt mit seinem studentischen Team der Westfälischen Hochschule.
FOTO: MICHAEL BÖHM

"Frauen in der Wirtschaft" lautet diesmal das Motto des Preises. Nur auf den ersten Blick steht das erfolgreiche Unternehmen für eine männerdominierte Branche: für Netzwerk-System-Angebote im Internet. Aber das studentische Team der Westfälischen Hochschule kann genügend Punkte aufzählen, die das IT-Unternehmen zu einem Vorzeigebetrieb auch in den Kategorien "Frauen in Führungspositionen" und "Frauen in typischen Männerberufen" machen. Wie der wissenschaftliche Begleiter Prof. Dr. Bernhard Müller-Jundt betont, sei das Unternehmen auch als Firma "in der Region für die Region" stark vernetzt, ein wichtiges Plus für den Preis.

Geschäftsführerin Dr. Gudrun Bülow bringt das Engagement des Unternehmens so auf den Punkt: "Wir wollen erreichen, dass diese Region eine Chance hat." Und dafür engagiert sie sich auch als Vizepräsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord-Westfalen. Und sie wurde jüngst erst wieder als Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses bestätigt.

Die Dr. Bülow & Masiak GmbH wurde 1995 gegründet, die beiden Informatiker Gerhard Bülow und Michael Masiak sorgten für das nötige Know-how. Dr. Gudrun Bülow kümmert sich in der Geschäftsführung um Personal, Ausbildung, Marketing, Finanzen. Derzeit arbeiten 22 Mitarbeiter dort, 17 davon in Vollzeit. Der Umsatz beträgt 2,5 Millionen Euro. Das Unternehmen bildet selbst Fachinformatiker aus - und das über den eigenen Bedarf hinaus, so Dr. Bülow. Leider, so bedauert sie, gebe es immer noch zu wenige Bewerbungen von Frauen im Informatiker-Beruf. Die vier Frauen im Betrieb seien allesamt im kaufmännischen Bereich des Unternehmens tätig.

Aber: Ein sehr hoher Anteil an männlichen Mitarbeitern, die die Elternteilzeit nähmen, individuelle Regelungen bei der flexiblen Arbeitszeitgestaltung und die starke Vernetzung bei der IHK, bei "Frau und Beruf", bei der Berufsorientierung in den Schulen - das alles bringt das Marler Unternehmen in die Endrunde des Vestischen Unternehmenspreises als Qualitätskriterium mit ein, so die Studenten der Westfälischen Hochschule.

Gerhard Bülow gibt einen kleinen Einblick in die Arbeit des Internet-Hauses: Sowohl den kompletten Internet-Auftritt der Internationalen Automobilausstellung (IAA) übernahmen die Marler schon, genauso wie die Vernetzung der Lokalradios bei "radio NRW" oder sogar die Internet-Kontrolle von Grundwasserpumpen bei stillgelegten Zechen, um den Grundwasserspiegel im Ruhrgebiet zu kontrollieren. "Aber natürlich bieten wir auch kleinen, mittelständischen Unternehmen die Pflege ihrer Internet-Auftritte an", fügt Dr. Gudrun Bülow hinzu.

Besonders die Mediennutzung und Medienpädagogik liegen der promovierten Psychologin und Pädagogin am Herzen. "Wie waren die ersten, die 1997 einen Schulserver für die Aktion "Schulen ans Netz" eingerichtet haben", so Dr. Bülow. Die Kooperationen zwischen Schulen und der IT-Wirtschaft seien ganz wichtig. "Wir haben in der Emscher-Lippe-Region das Reservoire an jungen Menschen, die die Region nach vorne bringen können", ist sie überzeugt. Was ihr noch fehle, das sei eine bessere Werbung für die Emscher-Lippe-Region. "Wir müssen mehr publik machen, was wir im Kreis und in der Region so alles haben", sagt  Dr. Gudrun Bülow. Und dazu gehört für Marls Bürgermeister Werner Arndt natürlich auch die Firma Dr. Bülow & Masiak GmbH selbst: "Wir sind stolz darauf, solche vorzeigbaren Firmen hier zu haben."

Zur Person Dr. Gudrun Bülow
  • Geboren wurde Dr. Gudrun Bülow 1954 in Mal. Für sie ein Grund mehr, das eigene Internet-Unternehmen in der Chemie- und Bergbaustadt Marl anzusiedeln.
  • Studiert hat sie Pädagogik, Psychologie und Sozialwissenschaft an der Universität Münster. "Zischen zwei Kindern habe ich promoviert", berichtet sie. Insgesamt drei Kinder hat sie mit ihrem Ehemann und Firmenpartner, dem Informatiker und Elektrotechniker Gerhard Bülow.
  • Nach dem Diplom arbeitete sie zunächst an der Hochschule. Sie wechselte nach der Promotion zur Fern-Universität Hagen und betreute dort mehrere Studienzentren, darunter auch in Castrop-Rauxel. "Mein Interesse galt vor allem immer der Medienpädagogik", berichtet Dr. Gudrun Bülow. Früh kam sie schon mit der Informatik in Berührung: Ihr Mann brachte einen der ersten Personalcomputer mit nach Hause, auf dem sie ihre Seminararbeiten schreiben konnte.
  • Als ihr Mann und sein Kollege Michael Masiak ein IT-Unternehmen gründen wollten, übernahm sie die Aufgaben in der Firma, die nicht direkt mit der Informatik zu tun haben: Personalmanagement, Buchhaltung und Marketing.
  • Ihr Hobby: "Ich laufe gerne", sagt sie, und das gerne in den Bergen.
  Der Vestische Unternehmenspreis  
  • Die neunte Auflage des Vestischen Unternehmenspreises steht unter dem Motto "Frauen in der Wirtschaft". Zur Teilnahme aufgerufen hat die Wirtschaftsvereinigung Vest e.V., die bei der Durchführung von der Westfälischen Hochschule, der Sparkasse Vest Recklinghausen und der kommunalen Wirtschaftsförderung unterstützt wird.
  • Das studentische Projektteam unter der Leitung von Prof. Dr. Bernhard Müller-Jundt und ein Jury haben zu bewerten, mit welchem Erfolg die Unternehmerinnen ihre Konzepte umsetzen und welche Auswirkungen das auf Arbeits- und Ausbildungsplätze hat. Die Zusammenarbeit mit anderen regionalen Unternehmen fließt ebenso in die Bewertung ein wie das kulturelle und soziale Engagement.
  • Insgesamt 23 Unternehmen haben sich in diesem Jahr für den Vestischen Unternehmenspreis beworben. Davon sind sieben in die Endausscheidung gekommen:
    • das Parkhotel Engelsburg (Recklinghausen)
    • das Autohaus Glückauf (Marl)
    • der Möbeleinrichter Timmerman (Dorsten)
    • der Garten- und Landschaftsbauer Kulmann  (Marl)
    • das Autohaus Blendorf (Herten)
    • der IT-Dienstleister Dr. Bülow & Masiak (Marl)
    • un die Baugesellschaft Zabel (Castrop-Rauxel)
  • Der Sieger wird am Dienstag, 6. November, geehrt. In einer Artikel-Serie haben wir die sieben Betriebe vorgestellt.

Marler Zeitung , Donnerstag 01.11.2012